Sonntag

Fragen stellen, Erfahrungen austauschen, Menschen mit ähnlichem Schicksal treffen - das könnt ihr in diesem Thread.
ellimic
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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 24. Mär 2019, 12:17

„God only knows what I´d be without you“

Ein Ohrwurm. Manchmal wird dieses Lied der Beach Boys in einem Film verwendet, z. B. im Abspann von „Tatsächlich Liebe“. Als ich es kürzlich in einem anderen Zusammenhang wieder hörte, übersetzte ich mir die Zeile, statt sie gedankenverloren mitzusummen.
„Gott allein weiß, was ich ohne dich wäre“.
Ich weiß es auch. Denn ich BIN ohne dich.
Ich bin die, die nicht aufgibt, auch wenn mein Traum sich nicht erfüllt hat. Ich bin die, die glücklich darüber ist, dass sie dich kennengelernt hat. Ich bin die, die unsere Kinder zu lebenstüchtigen, fröhlichen Menschen erzieht.
Gott allein weiß, was ich wäre, wenn ich dich nie getroffen hätte.
Aber DAS will ich auch gar nicht wissen.

Habt einen guten Sonntag
Ellen

ellimic
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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 3. Mär 2019, 09:16

Sonntagmorgen. Ich bin allein zu Hause, was am Wochenende nicht oft, aber mit zunehmendem Alter der Kinder immer öfter vorkommt. Ich selber könnte auch einen Termin wahrnehmen. Leute treffen, nett plaudern, zuhören...Ich grüble so lange, bis die Zeit mir die Entscheidung endgültig abnimmt: wenn ich jetzt losführe, käme ich zu spät.Zu Hause ist es doch auch ganz schön und du wolltest noch dies und jenes machen...
Also mache ich mir einen Tee und nehme mir ganz fest vor, dann jetzt aber wirklich wenigstens eine meiner Ideen umzusetzen. Da wird zu meiner Überraschung die Haustür aufgeschlossen. Mein Sohn, der bei einem Freund übernachtet hat, holt seine Sportsachen. Damit hatte ich nicht gerechnet. Er drückt mir einen Kuss auf die Wange, strahlt mich an und geht wieder. Ich freue mich. Wenn ich weggefahren wäre, hätte ich ihn nicht gesehen. Er wäre in ein leeres Haus gekommen (was ihn wahrscheinlich weniger gestört hätte, als mich der Gedanke stört). Mein schlechtes Gewissen wegen des nicht wahrgenommenen Termins -also eigentlich wegen meiner Trägheit- ist verflogen. Beschwingt nehme ich meinen Tee und mache mich daran, meinen Sonntag zu gestalten.

Habt einen Sonntag ohne schlechtes Gewissen!
Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 16. Sep 2018, 11:26

Einige Wochen nach dem Tod meines Mannes bot mir eine Nachbarin an, mal abends auf meine Kinder aufzupassen, damit ich ausgehen könne.
Ich war perplex. Wieso sollte ich ausgehen wollen? Abgesehen davon, dass ich abends viel zu müde für irgendwas war, interessierte mich nichts „da draußen“, kein Kinofilm, kein Theaterstück, kein gar nichts. Meine vier Wände waren der einzige Ort, an dem ich mich aufhalten wollte. Zusammen mit den Kindern.Seltsam, dachte ich, auf was die Leute so kommen.
Eine andere Nachbarin brachte mir mehrere Säcke mit Kleidung für die Kinder. Als sie kam, war ich nicht da und so stellte sie die Sachen vor die Wohnungstür. Zu aller anderen Arbeit, die mich sowieso schon überforderte, hatte ich nun noch die Arbeit, die Kleidungsstücke zu sichten, zu sortieren und das zu entsorgen, was nicht in Frage kam (und das war das Meiste). Ich war wütend.

Die Nachbarinnen wollten mir helfen und haben das angeboten, was ihnen naheliegend erschien. Ein anderer Mensch als ich wäre vielleicht sehr gerne abends mal ausgegangen oder wäre dankbar gewesen für die Kinderkleidung. Niemand kann wissen, was wir wollen und wir möchten alle unterschiedliche Dinge. Das macht es für unsere Umwelt manchmal schwierig. Deshalb: sagt, was ihr gerne möchtet. Die meisten Menschen helfen gerne und sind erleichtert wenn sie wissen, womit sie denn eigentlich helfen können.

Ich hätte damals sagen können, dass ich abends nicht ausgehen möchte, aber das es vielleicht mal ganz gut wäre, wenn die Nachbarin mal nachmittags kommen könnte, damit ich in Ruhe einkaufen gehen kann. Und die andere Nachbarin hätte ich anrufen können und sie bitten, mit mir einen Kaffee zu trinken und anschließend die Kleidung gemeinsam zu sortieren. Darauf bin ich leider nicht gekommen. Aber vielleicht findet ihr Möglichkeiten, euch bei netten, hilfsbereiten Menschen das zu holen, was ihr braucht.

In diesem Sinne: habt einen guten Sonntag!
Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 26. Aug 2018, 10:01

Meine Couch ist gemütlich, und so war ich schon fast weggedämmert, als mich die fordernde Stimme des Fernsehmoderators aus diesem friedlichen Zustand riss: „Das Wetter am Wochenende wird wunderschön. Machen Sie was draus!“
Sofort hellwach, ging ich meinen imaginären Terminkalender durch. Ich war schnell damit fertig, denn: kein einziges Terminchen lag vor mir. Kein Grillen, kein Picknick, nicht einmal ein Schwimmbadbesuch war geplant. Ich war drauf und dran, aus dem Wochenende nichts zu machen. Noch schlimmer: vielleicht würde ich es ganz alleine verbringen, mich vor der Sonne und den Menschen verkriechen! Das würde dem Fernsehmenschen gar nicht gefallen.
Aber warum sollte ich ihm oder jemandem gefallen wollen, fragte ich mich leicht gereizt darüber, dass ich mir Schuldgefühle aufzwingen ließ. Ich kann das Wochenende verbringen, wie ich will, schlafend, filmguckend, in Erinnerungen schwelgend, weinend.... ganz egal. Und wer weiß: „nichts“ aus einem Wochenende zu machen kann bedeuten, sich zu erholen, Kraft zu tanken, einen Schritt weiter zu gehen.

In diesem Sinne: verbringt einen guten Sonntag.
Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 12. Aug 2018, 12:19

In diesem Sommer hat ein neues Wort Einzug in meinen aktiven Wortschatz gehalten: der Kettennieter.
Die Kette meines Fahrrades sprang mehrmals ab. Ich konnte sie immer wieder „hinfummeln“. Aber dann war das vorbei. Und es ergaben sich genau drei Möglichkeiten: erstens ein neues Fahrrad kaufen, was angesichts des Alters (des Fahrrads, nicht meines) keine ganz schlechte Idee war. Allerdings muss ich mich, was diese Neuanschaffung betrifft, hinten anstellen (Kinder!). Zweite Möglichkeit: das Fahrrad zur Werkstatt schieben. Ich hasse schieben. Drittens: das Fahrrad selber reparieren. Das würde bedeuten, einen kompletten Nachmittag damit zu verbringen. Denn was mein Mann in maximal einer Stunde erledigt hätte, dafür brauche ich mindestens drei! Aber er hätte mich angelacht und gesagt: „Dann ist das eben so.“
Nach dem Gucken zahlreicher You-Tube-Videos zum Thema Fahrradketten-Wechsel (sogenannte „Tutorials“) und einem Gang zum Fahrradladen machte ich mich dann an die Reparatur. Und was soll ich sagen: ich habe es geschafft und bin rechtschaffen stolz auf mich. Es ist ein etwas wehmütiger Stolz, denn: wäre das Leben etwas anders verlaufen, müsste ich mein Fahrrad nicht selber reparieren. Oder zumindest nicht alleine, mit dem YouTube-Video vor der Nase.
Es ist, wie es ist und es ist schön zu wissen, dass mir selber helfen kann.
Ach ja: ein Kettennieter ist übrigens ein kleines Gerät, mit dem man die Glieder einer Fahrradkette voneinander trennt.

Es gibt so vieles, worauf ihr stolz sein könnt!
Habt einen guten Sonntag
Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 5. Aug 2018, 21:50

Ein entnervter Teenie und eine frustrierte Mutter kommen nach Hause. Teenie verschwindet in seinem Zimmer. Mutter erinnert sich an ein altes „Hausrezept“ aus Zeiten, als die Kinder um acht Uhr abends schliefen und sie dringend eine Belohnung für den mehr oder weniger unfallfrei überstandenen Tag brauchte. Oder einen Trost, weil der Tag – freundlich ausgedrückt- nicht so optimal verlaufen war: Eis!

Und dann verputze ich heimlich, still und leise eine riesige Portion Vanilleeis. Mit Sahne. Mag sein, dass die ein oder andere Träne auch dabei ist. Aus Erschöpfung. Aus Traurigkeit.
Danach habe ich wieder etwas mehr Energie.

Ich wünsche euch einen Energieschub, gerade in diesen hitzigen Zeiten!

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 22. Jul 2018, 16:08

Früher, als meine Kinder mich noch auf den kleinen Feierabend-Fahrradtouren begleiteten, machten wir eín Spiel, das wir „Grill-Zählen“ nannten. Wie viele Grill“events“ rochen wir?
Wir kamen auf viele. Ich frage mich, ob wir auch so oft grillen würden, wenn mein Mann noch bei uns wäre. Er mochte das Grillen auch. Ich nicht so – sehr zum Bedauern meines Sohnes, der möchte, dass wir endlich auch mal grillen (statt darauf zu warten, dass uns jemand einlädt).
Neben dem Arbeiten mit der Bohrmaschine ist das Grillen eine der letzten „Bastionen“, an die ich mich nicht so recht herantraue. Vielleicht sollte ich es mal wagen. Außerdem ist mein Sohn jetzt alt genug, um mir dabei zu helfen...

An was wollt ihr euch heranwagen?
Habt einen guten Sonntag und startet gut in die neue Woche.

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 15. Jul 2018, 10:15

Kürzlich blieb mir fast der Mund offen stehen, als ich das Werbeplakat einer Bank betrachtete. Junge Menschen behaupteten, sie „feierten“ ihr Leben – und ihr Bankkonto.
Soweit sind wir jetzt also: wir haben alles zu feiern, einschließlich der Dinge, die wir uns gezwungendermaßen angeschaft haben. Ein Bankkonto zum Beispiel.
Da mache ich nicht mit. Halligalli und Party ohne Ende mag was für Menschen sein, die entweder noch nie etwas Erschütternden erlebt haben oder die lieber nicht so genau darüber nachdenken möchten. Fast bedaure ich sie ein wenig. Wie anstrengend, in jedem Moment des Lebens in Feierlaune sein zu müssen! Wie befreiend, sich ein Recht auf seinen Kummer und seine Traurigkeit zu nehmen. Wie gut, sich auch einmal von der Welt abzuwenden, weil die Kraft für sie fehlt. Ich muss gar nichts feiern. Aber irgendwann will ich es vielleicht wieder. Und diese Feier wird dann wirklich großartig sein.

Habt einen schönen Sonntag!

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 24. Jun 2018, 10:42

Ein Sommermärchen.
Dieses Wort taucht ja regelmäßig zu einer Fussball-WM auf. Mich macht es traurig, denn es erinnert mich an den Sommer, den mein Mann gerne miterlebt hätte. Einen Sommer, der nichts Märchenhaftes für mich hatte, sondern nur eine bittere Realität.
Gestern, Jahre später, war ich mitten drin: ein „märchenhafter“ Abend, an dem sich gefühlt 100% aller Menschen in einem Freudentaumel befanden.
Aber so ist es nicht. Wie viele fühlen sich heute aus der Zeit gefallen. Können es nicht fassen, dass das Leben ganz normal weitergehen soll, obwohl jemand fehlt. Haben nicht die Zeit und nicht die Kraft, um sich über etwas zu freuen.

Nutzt den Sonntag. Für das Traurigsein. Für die Erinnerung. Für das Ausruhen.

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 10. Jun 2018, 10:40

Als ich meiner Ärztin vor Jahren erzählte, wir wollten ein Kind bekommen, gab sie mir jede Menge Tipps, was ich nun machen könnte. Sie sagte auch: viel ausruhen!
Ich war begeistert. Endlich durfte ich mal ganz legitim ausruhen. Das wird einem doch sonst – wenn überhaupt- nur erlaubt, wenn man krank ist.
Ist das nicht traurig? Ständig soll man irgendetwas machen, entweder wegen der Erwartungen von außen oder weil man sich selber unter Druck setzt. Schließlich gibt es immer etwas zu tun. Schubladen z. B. können immer aufgeräumt werden und wenn das letzte Zimmer geputzt ist kann man mit dem ersten gleich wieder anfangen. Seitdem ich mir klar gemacht habe, wie sinnlos es ist, Erholung für die Zeit einzuplanen, wenn alles erledigt sein wird, fällt es mir leichter, ab und zu mal etwas zurückzuschalten. Denn: wenn ich mir das Recht auf Erholung nicht zugestehe, bekomme ich sie auch nicht.
Wir alle brauchen Pausen. Um vom Alltag abzuschalten. Um uns zu erinnern. Um uns um unsere Gefühle zu kümmern. Um Kraft zu schöpfen.
Legen wir also ab und zu Pausen ein.

Ellen

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