Sonntag

Fragen stellen, Erfahrungen austauschen, Menschen mit ähnlichem Schicksal treffen - das könnt ihr in diesem Thread.
ellimic
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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 16. Jul 2017, 09:50

Wo kann ich Menschen treffen, denen Ähnliches passiert ist wie mir? Diese Frage stellen sich viele, die ihren liebsten Menschen gehen lassen mussten. Wir von VIDU möchten euch dabei unterstützen, Kontakte zu knüpfen und neue Freundschaften zu schließen. Deshalb veranstalten wir in diesem Herbst ein Wochenende für Verwitwete mit und ohne Kinder unter dem Motto: Zeit für mich – Zeit für uns. Es findet vom 6. bis 8. Oktober in Altenkirchen/Westerwald statt. Dort hat es auch früher schon Wochenenden für Verwitwete gegeben, an denen zusammen geweint und gelacht wurde, Freundschaften entstanden sind, Mut und Zuversicht für den Alltag mit ins Reisegepäck gegeben wurde. Wir knüpfen an diese Tradition an. Ein paar Tage voller Erholung, mit Zeit für gemeinsame Aktivitäten und auch Rückzugsmöglichkeiten erwarten euch. Weitere Informationen und die Möglichkeit zur Anmeldung gibt es hier: http://www.verein-verwitwet.de/download

Habt einen Sonntag mit Lichtblicken!

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 9. Jul 2017, 07:07

Diese Woche gab es DEN einen glücklichen Moment: als mir am Freitag morgen mein Kind schrieb, dass es nun im Zug nach Hause sitzt und der Zug auch tatsächlich fährt. Eine Woche Klassenfahrt in Hamburg -ausgerechnet in dieser Woche nicht der Ort, an dem man sein möchte- war zu Ende.

Wieviel man noch zu verlieren hat!
Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 2. Jul 2017, 06:08

Diese Woche habe ich sie zum ersten Mal gesehen, im Schaufenster einer Buchhandlung: die Kalender für 2018! Ob die wirklich schon jemand kauft? Ich jedenfalls habe ein mulmiges Gefühl, wenn mir im Sommer das nächste Jahr schon entgegenstarrt und bedrohlich flüstert: „Das Leben geht immer so weiter! Immerzu viel zu tun, immerzu traurig, immerzu allein, allein, allein mit allem fertig werden...“
Wenn meine Gedanken an diesem Punkt angekommen sind, ergreife ich Gegenmaßnahmen. Ich rufe mir das Bibelwort in Erinnerung, wonach es besser ist, nicht an das Morgen zu denken. Denn: Jeder Tag hat schon genug eigene Last!
Das stimmt, oder? An jedem Tag muss man wieder daran arbeiten, die Bälle in der Luft zu halten, man muss kämpfen gegen das Gefühl, dass etwas ganz und gar nicht okay ist und dafür, dass der Tag trotzdem schön werden kann.
Das kann er wirklich. Und wenn nicht der ganze Tag, dann ein Teil davon. Sogar ein paar Minuten, die gut sind, lassen erahnen, dass die Last trotz allem tragbar ist.
Habt einen Sonntag mit solch guten Momenten!

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 18. Jun 2017, 08:10

In einer Zeitschrift finde ich ein Rezept für eine Biskuitrolle. Mit genauer Arbeitsanleitung plus Fotos. Ich erinnere mich daran, wie ich meiner Mutter zusah, wenn sie eine“sc Biskuitrolle mache. Ich sehe genau den Moment vor mir, als sie das Backpaier von der heißen Teigplatte löste sie einrollte. Ich werde mich auch mal an einer Biskuitrolle versuchen. Bestimmt werde ich dabei mit meiner Mutter sprechen: „Mensch, Mama, wie hast du das bloß gemacht?“, „Wieso ist bei dir der Teig nicht gerissen?“

„Ist ja gut, du hast ja Recht“, sage ich zu meinem Mann, wenn ich mich dabei ertappe, da zu „schludern“, wo er es ordentlich gemacht hätte. Und dann versuche ich, es so zu machen wie er.

Wer nicht vergessen wird, ist nicht tot.
Habt einen Sonntag mit vielen schönen Erinnerungen.
Ellen

PS: Auf der Homepage gibt es die Möglichkeit, für seinen liebsten Menschen einen Stern zu erstellen. Schaut doch mal hier: http://www.verein-verwitwet.de/sternenhimmel

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 11. Jun 2017, 08:00

Es gibt Streit mit meinem Sohn. Er will nicht für Klassenarbeiten üben. Eine seiner Begründungen lautet: in seiner Klasse übe niemand für Arbeiten.
Ich bezweifle, dass ausgerechnet in der Klasse meines Sohnes lauter Naturtalente sitzen, die alle nur mit dem Finger zu schnippsen brauchen, um gute Noten zu schreiben. Vielmehr vermute ich (und war es nicht zu unserer Schulzeit auch schon so), dass die Kinder sich im „Coolsein“ überbieten wollen. Es ist eben viel cooler, zu behaupten, man habe für die Eins nichts getan als zuzugeben, dass man hart dafür gearbeitet hat.
Und was bei den Kindern beginnt, setzt sich bei den Erwachsenen fort: alles wird mit „Links“ erledigt: Kindererziehung, Beruf, Haushalt, Beziehungen...
Da kann es natürlich nicht sein, dass die Trauer ein langer und schwieriger Prozess ist, der keinen Regeln folgt und nicht nach ein paar Wochen erledigt ist!

Meine Kinder ermutige ich dazu, ehrlich zu sein. Irgendwer muss sich doch gegen den Trend stellen! Allerdings ist das für Kinder nicht einfach. Ich versuche, mit gutem Beispiel voran zu gehen. Ist man einmal offen, siehe da, erzählen auch andere, was bei ihnen schief läuft. Wer dann allerdings immer noch erzählt, wie toll bei ihm/ihr alles läuft, der ist mit Vorsicht zu geniessen.

Ich wünsche euch Menschen um euch herum, vor denen ihr euren Kummer nicht verstecken müsst!

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 28. Mai 2017, 12:18

Heute am frühen Morgen ist mir ein Hefeteig verunglückt. Au weia, dachte ich, der Tag fängt ja gut an.
Aber meine Güte – es ist nur ein Hefeteig. Gibt´s halt keinen Hefekranz zum Frühstück. Was für ein Luxus ist es, dass mein Tag, statt mit Kummer, Trauer und Verzweiflung mit einem missglückten Hefeteig beginnt.

Ich hoffe, heute wird mir auch das ein oder andere noch gelingen – und das wünsche ich euch auch. Ein fröhlicher Moment oder ein Augenblick in dem ihr Zuversicht spürt: das wäre doch dann ein guter Sonntag!

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 21. Mai 2017, 08:46

Mitten im Alltag gibt es diese kleinen Momente, die mir immer wie ein Gruß von ich weiß nicht woher vorkommen. Die, die einen kurz aus dem täglichen „Ich muss noch dieses und jenes, und zwar möglichst vorgestern“ herausholen. Einen solchen Moment habe ich in dieser Woche erlebt, als ich mein Auto aus der Werkstatt geholt hatte. Das Display zeigte 1:20 Uhr. Im Radio waren die Sendereinstellungen weg. Mist. Also: Uhrzeit neu stellen, einschalten. Das machte ich auf dem Parkplatz vor dem Haus. Und da höre ich es wieder: „Habe dich sicher/in meiner Seele/ich trage dich bei mir/bis der Vorhang fällt.“
Still sitze ich im Auto und lausche den letzten Klängen von Herbert Grönemeyers "Der Weg" nach. Ja, denke ich, ich habe das auch einmal jemandem versprochen: zu bleiben. Meine Aufgaben zu erfüllen. Und zu wissen, dass ich nicht alleine bin, weil es jemanden gibt, den ich in meiner Seele trage.

Ich schließe die Haustür auf. Meine Güte, hier könnte auch wieder mal geputzt werden und wieso liegen hier wieder so viele Jacken auf der Bank? Die Winterschuhe können nun auch langsam mal weggeräumt werden. Endlich.

Der Moment des Innehaltens ist damit definiv vorbei. Aber später am Tag höre ich mir das Lied komplett an, und zwar hier:

https://www.youtube.com/watch?v=xSWJBClrmgo

Ich wünsche euch gute Momente für den Alltag und den Sonntag!
Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 14. Mai 2017, 13:38

Ich werde gefragt, welches Buch ich einem 10jährigen schenken würde, dessen Vater gestorben ist.
Ich kenne nicht viele Kinderbücher zu dem Thema, aber das, was ich am liebsten mag, empfehle ich gerne (Quentin Blake: Mein trauriges Buch, Verlag Freies Geistesleben).
„Und“, frage ich die Freundin, als wir uns ein paar Tage später treffen, „hast du dem Jungen das Buch geschenkt?“
„Nein“, meint sie. „Ich habe ihm ein lustiges Buch geschenkt, das er zusammen mit seiner Mutter lesen kann. Und ich backe einen Kuchen. Denn: vorlesen und Kuchen essen – das geht immer.“

Habt einen guten Sonntag. Vielleicht mit einem Buch und Kuchen?

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 7. Mai 2017, 08:52

„Jemanden, auf den ich neidisch bin, meide ich“, erklärt ein (verheirateter) Bekanner. Das kann man natürlich machen, um sein inneres Gleichgewicht zu schützen. Der Anblick von Paaren und „kompletten“ Familien kann so unglücklich und neidisch machen, dass es sich lohnen kann, mal ein Fest sausen zu lassen oder einen Sonntagsspaziergang im sonnigen Park nicht zu machen.
Aber ist das eine Strategie auf Dauer? Ich kann mich doch nicht zu Hause vergraben, nur weil ich „da draußen“ vielen anderen Menschen begegnen könnte, die genau das haben, was ich vermisse? Und weil ich dann sehr neidisch werde? Und was ist, wenn die Person, auf die ich neidisch bin, eine sehr nette ist? Dann würde ich mir durch meinen Neid möglicherweise die Chance verbauen, eine Freundschaft aufzubauen bzw. zu pflegen. Dabei brauchen wir gerade jetzt Freundschaften so dringend!

Eine Strategie von mir, den Neid im Zaum zu halten ist der Gedanke, dass jede/r sein bzw. ihr Päckchen zu tragen hat. Sicher, sie leben in glücklichen (zumindest denken wir das) Beziehungen – aber da sind die Sorgen ums Kind, die Geldsorgen, die Pflege des alten Vaters, die gesundheitlichen Beschwerden, die Arbeit, die so unglücklich macht, die Unfähigkeit, das, was man hat, genießen zu können, ein Traum, der auf der Strecke geblieben ist...lauter Päckchen, die jedem unserer Mitmenschen in irgendeiner Form auf den Rücken gebunden sind.

„Ich würde jedes einzelne nehmen, wenn dafür nur mein liebster Mensch wieder bei mir wäre“, sagt ihr jetzt vielleicht aus dem Gefühl des Kummers und der Einsamkeit heraus.
Aber ist das wirklich so?
Darüber nachzudenken könnte vielleicht an diesem schon wieder regnerischen Sonntag interessant sein. Macht es euch schön!

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 16. Apr 2017, 07:53

Heute, am Ostermorgen, begegnete mir ein Gedicht, dass ich in einer Zeit kennen lernte,als es mir sehr schlecht ging. Ich saß in einem Seminar für Verwitwete und die Leiterin hatte verschiedene Texte mitgebracht.
Na ja. Unlustig begann ich zu lesen. Doch dann berührte mich ein Gedicht so, dass ich beinahe weinte: „Manchmal stehen wir auf/Stehen wir zur Auferstehung auf/Mitten am Tage/...“

Immer wieder aufzustehen ist unsere Aufgabe. Wenn wir es schaffen, mit Hoffnung, mit Neugierde auf das Kommende, mit Sympathie für diese Welt aufzustehen, ist das unsere eigene Auferstehung.
So verstehe ich diese Zeilen, die mich so berührt haben und die ich mir seither immer mal wieder vorsage. Und wenn ich es vergesse, an meine eigene Auferstehung zu glauben, dann ist es der Zufall, der mich wieder zu diesem Gedicht führt. Wie an diesem Ostermorgen.

Das Gedicht ist übrigens von Marie Luise Kaschnitz, heißt „Auferstehung“ und man kann es hier nachlesen: http://www.lyrikwelt.de/gedichte/kaschnitzg1.htm


Ich wünsche euch ein Ostern mit Glaube an die Auferstehung.
Ellen

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