Sonntag

Fragen stellen, Erfahrungen austauschen, Menschen mit ähnlichem Schicksal treffen - das könnt ihr in diesem Thread.
ellimic
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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 5. Aug 2018, 21:50

Ein entnervter Teenie und eine frustrierte Mutter kommen nach Hause. Teenie verschwindet in seinem Zimmer. Mutter erinnert sich an ein altes „Hausrezept“ aus Zeiten, als die Kinder um acht Uhr abends schliefen und sie dringend eine Belohnung für den mehr oder weniger unfallfrei überstandenen Tag brauchte. Oder einen Trost, weil der Tag – freundlich ausgedrückt- nicht so optimal verlaufen war: Eis!

Und dann verputze ich heimlich, still und leise eine riesige Portion Vanilleeis. Mit Sahne. Mag sein, dass die ein oder andere Träne auch dabei ist. Aus Erschöpfung. Aus Traurigkeit.
Danach habe ich wieder etwas mehr Energie.

Ich wünsche euch einen Energieschub, gerade in diesen hitzigen Zeiten!

Ellen

ellimic
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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 22. Jul 2018, 16:08

Früher, als meine Kinder mich noch auf den kleinen Feierabend-Fahrradtouren begleiteten, machten wir eín Spiel, das wir „Grill-Zählen“ nannten. Wie viele Grill“events“ rochen wir?
Wir kamen auf viele. Ich frage mich, ob wir auch so oft grillen würden, wenn mein Mann noch bei uns wäre. Er mochte das Grillen auch. Ich nicht so – sehr zum Bedauern meines Sohnes, der möchte, dass wir endlich auch mal grillen (statt darauf zu warten, dass uns jemand einlädt).
Neben dem Arbeiten mit der Bohrmaschine ist das Grillen eine der letzten „Bastionen“, an die ich mich nicht so recht herantraue. Vielleicht sollte ich es mal wagen. Außerdem ist mein Sohn jetzt alt genug, um mir dabei zu helfen...

An was wollt ihr euch heranwagen?
Habt einen guten Sonntag und startet gut in die neue Woche.

Ellen

ellimic
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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 15. Jul 2018, 10:15

Kürzlich blieb mir fast der Mund offen stehen, als ich das Werbeplakat einer Bank betrachtete. Junge Menschen behaupteten, sie „feierten“ ihr Leben – und ihr Bankkonto.
Soweit sind wir jetzt also: wir haben alles zu feiern, einschließlich der Dinge, die wir uns gezwungendermaßen angeschaft haben. Ein Bankkonto zum Beispiel.
Da mache ich nicht mit. Halligalli und Party ohne Ende mag was für Menschen sein, die entweder noch nie etwas Erschütternden erlebt haben oder die lieber nicht so genau darüber nachdenken möchten. Fast bedaure ich sie ein wenig. Wie anstrengend, in jedem Moment des Lebens in Feierlaune sein zu müssen! Wie befreiend, sich ein Recht auf seinen Kummer und seine Traurigkeit zu nehmen. Wie gut, sich auch einmal von der Welt abzuwenden, weil die Kraft für sie fehlt. Ich muss gar nichts feiern. Aber irgendwann will ich es vielleicht wieder. Und diese Feier wird dann wirklich großartig sein.

Habt einen schönen Sonntag!

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 24. Jun 2018, 10:42

Ein Sommermärchen.
Dieses Wort taucht ja regelmäßig zu einer Fussball-WM auf. Mich macht es traurig, denn es erinnert mich an den Sommer, den mein Mann gerne miterlebt hätte. Einen Sommer, der nichts Märchenhaftes für mich hatte, sondern nur eine bittere Realität.
Gestern, Jahre später, war ich mitten drin: ein „märchenhafter“ Abend, an dem sich gefühlt 100% aller Menschen in einem Freudentaumel befanden.
Aber so ist es nicht. Wie viele fühlen sich heute aus der Zeit gefallen. Können es nicht fassen, dass das Leben ganz normal weitergehen soll, obwohl jemand fehlt. Haben nicht die Zeit und nicht die Kraft, um sich über etwas zu freuen.

Nutzt den Sonntag. Für das Traurigsein. Für die Erinnerung. Für das Ausruhen.

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 10. Jun 2018, 10:40

Als ich meiner Ärztin vor Jahren erzählte, wir wollten ein Kind bekommen, gab sie mir jede Menge Tipps, was ich nun machen könnte. Sie sagte auch: viel ausruhen!
Ich war begeistert. Endlich durfte ich mal ganz legitim ausruhen. Das wird einem doch sonst – wenn überhaupt- nur erlaubt, wenn man krank ist.
Ist das nicht traurig? Ständig soll man irgendetwas machen, entweder wegen der Erwartungen von außen oder weil man sich selber unter Druck setzt. Schließlich gibt es immer etwas zu tun. Schubladen z. B. können immer aufgeräumt werden und wenn das letzte Zimmer geputzt ist kann man mit dem ersten gleich wieder anfangen. Seitdem ich mir klar gemacht habe, wie sinnlos es ist, Erholung für die Zeit einzuplanen, wenn alles erledigt sein wird, fällt es mir leichter, ab und zu mal etwas zurückzuschalten. Denn: wenn ich mir das Recht auf Erholung nicht zugestehe, bekomme ich sie auch nicht.
Wir alle brauchen Pausen. Um vom Alltag abzuschalten. Um uns zu erinnern. Um uns um unsere Gefühle zu kümmern. Um Kraft zu schöpfen.
Legen wir also ab und zu Pausen ein.

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 3. Jun 2018, 08:48

Heute morgen schreckte ich aus dem Schlaf hoch, weil es schon so hell war. Hatte ich verschlafen? Ein Blick auf den Wecker: zehn nach fünf.
Mein Mann starb Ende Mai vor inzwischen ziemlich vielen Jahren. Schlaflose Nächte hatte ich dank der anstrengenden Tage mit kleinen Kindern nicht, aber ich wachte immer gegen halb fünf auf. Eine Zeitlang habe ich versucht, dann wieder einzuschlafen, aber das konnte ich nicht. Also, dachte ich, das muss ein Zeichen sein. Ich begann zu schreiben. Jeden Morgen schrieb ich an meinen Mann, erzählte von unserem Alltag, was mir durch den Kopf ging, ließ meinem Ärger über Behörden usw. freien Lauf, aber beschrieb auch die kleinen Freuden, die ich -trotz allem- mit den Kindern erlebte. Ich schrieb und schrieb. Oft weinte ich dabei, aber das war gut so. Ich merkte, wie ich mich auf diese „Treffen“ mit meinem Mann freute. Die Aussicht darauf war wie ein Strohhalm, an den ich mich in diesen schrecklichen Tagen klammerte.
Heute glaube ich, dass dies meine Therapie war. Ich hatte keine Energie und auch keine Zeit, um mich um eine professionelle Hilfe zu kümmern. Eine sehr nette Trauberbegleiterin und mein Tagebuch – das war es, was mir durch die erste Zeit half.
Heute hat das Tagebuchschreiben nicht mehr diesen hohen Stellenwert für mich. Wenn ich nun so früh aufwache, freue ich mich am Vogelgezwitscher, an der Ruhe im Haus und an der ersten Tasse Tee des Tages. Und daran, wie weit wir doch gekommen sind, meine Kinder und ich!
Vielleicht ist dieser Text eine Anregung für euch. Vielleicht ist das Schreiben aber auch gar keine Option. Möget ihr inmitten des alltäglichen Chaos den passenden Strohhalm für euch finden!

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 27. Mai 2018, 10:04

„Wenn du den Hahn auch einsperrst, die Sonne geht doch auf.“

Ein Sprichwort aus Indien, entdeckt in meinem Abreißkalender. Eine Erfahrung, die auf der ganzen Welt gemacht wird: es wird wieder schön, sogar wenn wir versuchen, das zu verhindern.
Das ist unglaublich, denn: Wie soll das gehen, nachdem wir unseren liebsten (erwachsenen) Menschen verloren haben? Wen interessiert da die Sonne?
Und trotzdem scheint sie. Und trotzdem blühen die Blumen. Das können wir nicht verhindern. Zum Glück! Denn irgendwann freuen wir uns auch wieder an der Wärme und den Farben. Gerade jetzt brauchen wir diese kleinen Freuden ganz dringend.

Macht euch Freude an diesem Sonntag.

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 13. Mai 2018, 10:26

Ein Ereignis, das an mir vorbei ging, ist der European Song Contest. Bis ich (leider erst heute morgen) in der Zeitung las, dass der deutsche Beitrag vom verstorbenen Vater des Sängers handelt. Ich kannte dieses Lied nicht, aber es war mir sofort sympathisch. Hoffentlich war es nicht wieder auf einem der letzten Plätze gelandet!
Dank des Internets kann man sich ja schnell informieren, man muss nicht mehr, wie früher auf die Radionachrichten warten und darauf, dass das Lied im Radio gespielt wird.
Platz vier. Sehr schön. Zu hören ist das Lied hier:
https://www.youtube.com/watch?v=N4YwSy4Q9k0

Ein junger Mann singt über seinen Vater und seine Familie. Seine Mutter, geht es mir durch den Kopf, war sicher auch verzweifelt und mutlos, als ihr Mann starb und sie plötzlich alleine für drei Kinder verantwortlich war. Und heute steht eines ihrer Kinder auf der Bühne, drückt seine Traurigkeit in einem Lied aus, würdigt dabei auch seine „loving mum“ und die ganze Welt schaut zu. Ich vermute, die Mama hat vieles richtig gemacht.

So wie wir auch. Heute ist Muttertag. Werdet ihr heute auf Händen getragen? Also: ich nicht:-) Die Kinder liegen im Bett und warten vermutlich darauf, dass ich sie zum Frühstück rufe...egal. Sie sind richtig so, wie sie sind und die „loving mum“ ist es auch.
Wir können alle stolz auf uns sein und in diesem Sinne wünsche ich euch einen guten Sonntag!

Ellen

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 29. Apr 2018, 08:56

Da klage ich, nun sei es doch mal genug Winter und wann kommt endlich der Frühling?
Und dann das: der Frühling kommt und ich sitze verschreckt im Haus. Huch, Frühling? Dieser Zwang, aus dem Haus zu gehen! Bunte Kleider anziehen, obwohl einem danach gar nicht zumute ist!. Das neu erwachende Leben feiern, trotz der Erfahrung, dass Leben endet. Was für eine unmögliche Aufgabe!

Doch der Frühling hat Charme: er lässt nicht locker und irgendwann hat er uns doch. Das Fahrrad wird aus dem Winterschlaf geholt, das erste Eis gegessen. Kleine Freuden, die glücklicherweise hervorschauen, wenn wir gar nicht damit rechnen.

Ja nun: wir sind in Deutschland. Und ein schöner Frühlingstag bedeutet noch lange nicht, dass es jetzt immer so weiter geht. Hier zumindest ist es heute grau – und kalt! Und dabei hatte ich mich gerade an den Frühling gewöhnt.
Das Wetter kann es mir wirklich nicht recht machen...

Tut euch gut, egal, wie das Wetter ist.

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Re: Sonntag

Beitrag von ellimic » So 22. Apr 2018, 09:39

„Wir Menschen sind kooperativ, die meisten wissen es nur nicht...“
Das sagte gestern ein Psychologe in einer Radiosendung zum Thema „Abschied“.
Er spricht uns aus dem H wir erzen. Genau deshalb unterstützen den Ausbau von Selbsthilfegruppen. Ein Gespräch mit Gleichbetroffenen, das Wissen, dass man nicht alleine ist, kann ungeheuer gut tun. Heute beginnt eine Selbsthilfegruppe in Düren. Wer dort oder in der Region lebt, ist herzlich eingeladen! Weitere Informationen gibt es hier:
https://www.verein-verwitwet.de/node/187

Informationen über unsere anderen Regionalgruppen findet ihr hier:

https://www.verein-verwitwet.de/wir-sin ... nalgruppen

Manchmal, und hoffentlich immer öfter, ist der Tag aber auch ohne Gespräche über die Trauer genau so gut, wie er ist. Die Sonne scheint, die Bäume werden endlich grün, man fühlt sich wohl.
Habt einen guten Sonntag, alleine, mit Freunden oder in einer Gruppe, in der vielleicht neue Freundschaften entstehen.

Ellen

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