Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten
ellimic
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von ellimic »

Manchmal, mitten im Getriebe, möchte ich an einen ruhigen Ort gehen. Dorthin, wo es nur wenige Menschen hinzieht, wenn alle gerade mit einkaufen oder so etwas beschäftigt sind. Dann gehe ich in eine Kirche. Wenn nicht gerade ein Gottesdienst stattfindet, hat man sie fast für sich alleine – es sei denn, es handelt sich um den Kölner Dom, das Ulmer Münster, die Berliner Gedächtniskirche oder eine andere dieser berühmten Kirchen.
Ich mag den Brauch, eine Kerze anzuzünden. Für liebe Mitmenschen, für mich, gegen die Dunkelheit. Es kommt sogar vor, dass man ein Gedicht, einen Spruch findet, den man mitnehmen darf. Auf diese Weise stieß ich auf diesen Irischen Segenswunsch, der euch ein wenig Zuversicht bringen möge!


Vergiss die Träume nicht,
wenn die Nacht
wieder über dich hereinbricht
und die Dunkelheit
dich wieder ganz gefangen zu nehmen droht.
Noch ist nicht alles verloren.
Deine Träume und deine Sehnsüchte
Tragen Bilder der Hoffnung in sich.
Deine Seele weiß,
dass in der Tiefe Heilung schlummert
und bald in dir
ein neuer Tag erwacht.

Ich wünsche dir,
dass du die Zeiten der Einsamkeit
nicht als versäumtes Leben erfährst,
sondern, dass du beim Hineinhorchen
in dich selbst
noch Unentschlossenes
in dir entdeckst.

Ich wünsche dir,
dass dich all das Unerfüllte
in deinem Leben
nicht erdrückt,
sondern, dass du dankbar sein kannst
für das, was dir an Schönem gelingt.

Ich wünsche dir,
dass all deine Traurigkeiten
nicht vergeblich sind,
sondern dass du aus der Berührung
mit deinen Tiefen
auch Freude
wieder neu beleben kannst.

Irischer Segenswunsch
ellimic
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von ellimic »

Um 16.57 Uhr machte Christa sich einen Tee. Sie setzte sich in den Sessel, in dem sie immer saß, wenn sie von der Arbeit nach Hause kam. Da saß sie dann, Stunde um Stunde, bis es Zeit war, schlafen zu gehen. Doch heute, um 16.57 Uhr, geschah etwas völlig Unerwartetes: „Er kommt nicht zurück“, flüsterte eine Stimme. Die Stimme hörte Christa öfter. Dann weinte sie. Aber heute nicht. Heute nickte sie nur. „Ja, er kommt nicht zurück“: während sie dies dachte, wunderte sie sich über ihre Ruhe. Kein Zorn, kein Aufbegehren. Um 16.59 Uhr stand Christa aus dem Sessel auf. Sie wollte etwas tun. Vielleicht etwas Ordnung machen. Oder etwas kochen, nur für sich. Sie musste die Ruhe nutzen denn sie ahnte: es könnte bald vorbei sein. Vielleicht würde sie sich um 17.23 Uhr wieder einsam und verlassen fühlen. Aber so lange würde sie etwas tun. Und seit 16.57 Uhr wissen: von nun an würde es diese Augenblicke immer wieder auf ihrem Weg geben. Beinahe war Christa glücklich.

Manchmal stehen wir auf
Stehen wir zur Auferstehung auf
Mitten am Tage
Mit unserem lebendigen Haar
Mit unserer atmenden Haut.

Nur das Gewohnte ist um uns.
Keine Fata Morgana von Palmen
Mit weidenden Löwen
Und sanften Wölfen.
Die Weckuhren hören nicht auf zu ticken
Ihre Leuchtzeiger löschen nicht aus.
Und dennoch leicht
Und dennoch unverwundbar
Geordnet in geheimnisvolle Ordnung
Vorweggenommen in ein Haus aus Licht.
Marie Luise Kaschnitz
Quelle: https://www.deutschelyrik.de/auferstehung.html
Zuletzt geändert von ellimic am Do 12. Dez 2019, 20:03, insgesamt 1-mal geändert.
ellimic
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von ellimic »

Meine beiden Kinder müssen einige Tage alleine zu Hause bleiben, den Alltag, mit allem was dazu gehört, selbständig bewältigen. Normalerweise sollte ein Vater da sein, der sich kümmert. Aber das Leben hat es anders gewollt. Stattdessen springen liebe Menschen aus dem Familien- und Freundeskreis ein, bieten den Kindern Hilfe an. Zum Einkaufen, für den Haushalt.
„Warum glauben die Leute eigentlich, dass wir nicht zurecht kommen?“, beschwert sich Kind 1 mit der Würde seiner fast 17 Jahre.
Ich erkläre, wie ungeheuer froh ich bin, dass wir diese Menschen haben. Wie glücklich wir uns schätzen können, dass sie sich für uns interessieren.
Es gibt viele Arten von Glück.
hak40
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von hak40 »

Ein mächtiger Samurai beschloss eines Tages, seine spirituelle Bildung zu vertiefen. So machte er sich auf, einen buddhistischen Mönch zu suchen, der als Einsiedler hoch in den Bergen lebte. Als er ihn gefunden hatte, trat er gebieterisch vor ihn hin und forderte er: "Lehre mich, was Himmel und Hölle sind!"
Der alte Mönch sah langsam zu dem Samurai auf, der mächtig über ihm stand, und musterte ihn von Kopf bis Fuß. "Dich lehren?" spottete er. "Du musst sehr dumm sein, wenn du denkst, ich könnte dich etwas lehren. Schau dich an, du bist unrasiert, du stinkst, außerdem ist dein Schwert ganz verrostet!" Der Samurai geriet in große Wut. Sein Gesicht wurde rot vor Zorn. Er zog sein Schwert, um dem lächerlichen aufgeblasenen Zwerg von Mönch, der da vor ihm saß, seinen unverschämten Kopf abzuschlagen. "Das", sagte der Mönch ruhig, "ist die Hölle!"
Der Samurai ließ sein Schwert fallen. Er war verblüfft. Dann überkam ihn die Einsicht in die Wahrheit dieser Worte. Er bereute seinen Stolz und seine Neigung zu Hass und Gewalt und verspürte schließlich eine tiefe Zuneigung zu dem alten Mann. Dass dieser Mensch sein Leben riskiert hatte, um ihm, einem völlig Fremden, die tiefste Weisheit zu lehren, erfüllte sein Herz mit Liebe und Mitgefühl. Tränen der Freude stiegen in seine Augen.
"Und das", sagte der Mönch, "ist der Himmel!"
(Autor unbekannt)
hak40
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von hak40 »

Das junge Paar war frisch verheiratet. Eines Tages beschloss die junge Frau, eine Lammkeule zu schmoren.
 
Bevor sie das Ganze in den Ofen schob, schnitt sie von der Keule das untere Stück ab und legte dann die zwei Teile nebeneinander in den Schmortopf.
 
Ihr Mann schaute ihr über die Schulter und fragte sie: “Warum machst du das?”
 
“Ich weiß nicht, aber meine Mutter machte das immer genau so.” war die Antwort.
 
Daraufhin fragte der Mann seine Schwiegermutter, warum sie das untere Stück der Keule abschnitt.
 
“Ich weiß nicht, aber meine Mutter machte das immer genau so.” antwortete die Schwiegermutter.
 
Die Großmutter war noch am Leben und so ging der Mann zu ihr und fragte auch sie, warum sie den unteren Teil der Lammkeule vor dem Schmoren abschnitt.
 
Und die Großmutter antwortet: “Ach, das hat einen ganz einfachen Grund: Mein Schmortopf war damals so klein, dass der ganze Braten einfach nicht hineinpasste.”
 
(aus Nancy Friday “Wie meine Mutter”, leicht geändert. Gefunden auf www.zeitzuleben.de)
ellimic
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von ellimic »

5. Dezember – Tag des Ehrenamtes

40% der deutschen Bevölkerung engagieren sich ehrenamtlich, die meisten bis zu zwei Stunden pro Woche. Die Bereitschaft, sich freiwillig zu engagieren, nimmt zu.

Das habe ich heute gelesen, zwischen all den schlechten Nachrichten. Manchmal muss man sie eben mit der Lupe suchen, die schönen Meldungen. Aber wenn man sie findet, macht das den Tag ein kleines bisschen heller.

Was habe ich noch für gute Dinge heute erlebt?
Eine wichtige Terminvereinbarung erwies sich als unerwartet schwierig – und dann tat sich doch ein Türchen auf und der Termin kam zustande - in Kürze, ohne lange Wartezeiten. Mir fällt ein Stein vom Herzen.
Die Sonne schien, ich habe das für einen Spaziergang genutzt. Danach las ich zufällig einen Artikel darüber, wie wichtig es ist, das wenige Tageslicht des Winters zu nutzen. Es hilft gegen düstere Stimmung, gegen Schläfrigkeit und Antriebslosigkeit, sich an der frischen Luft zu bewegen. Heute fand sich eine Freundin als Begleitung. Morgen gehe ich wieder. Auch alleine. Ein gutes Gefühl, etwas dafür tun zu können, nicht unterzugehen.
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von hak40 »

Wenn uns jemand aufmerksam und aufrichtig zuhört, schenkt er uns seine Zeit. Aber auch wir schenken etwas -
unser Vertrauen.
Es ist im Leben oft ein Geben und Nehmen - und manchmal ist es für jemand auch ein Geschenk, Teil des Lebens eines anderen zu sein.
hak40
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von hak40 »

"Der Schüler ging zum Meister und fragte ihn:
“Wie kann ich mich von dem, was mich an die Vergangenheit heftet, lösen?”
Da stand der Meister auf, ging zu einem Baumstumpf, umklammerte ihn und jammerte:
“Was kann ich tun, damit dieser Baum mich loslässt?”


Gibt uns diese Geschichte nun eine Antwort? Wissen wir nun wie wir loslassen können? Im Grunde ja! Wie in der Geschichte bildlich beschrieben klammern wir uns viel zu oft an Vergangenes und lassen dadurch kaum Platz für etwas Neues. Obwohl der Akt des Loslassen in seiner Grundform sehr einfach ist, fällt es uns teilweise sehr schwer sich von Dingen zu lösen. Sei es das gedankliche Festhalten an frühere Beziehungen oder nur die Aufbewahrung eines Erinnerungsstückes aus der Kindheit.
Es gibt viele Möglichkeiten und gute Ratschläge wie es uns gelingen kann, uns von unserer Vergangenheit oder sogar der aktuellen Situation frei zu machen. Ich möchte aber an dieser Stelle keinen Ratgeber schreiben, sondern euch mit der Aussage des Zen-Meisters alleine lassen, und euch bitten, in Ruhe darüber nachzudenken, wie ihr seine Frage in eurer jetzigen Situation nutzen könnt.
Denkt immer daran:

"Wenn du fliegen willst, musst du loslassen, was dich runterzieht."
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Re: Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von hak40 »

Der bessere Weg - eine kluge Geschichte
Ein kleiner Junge, der auf Besuch bei seinem Großvater war, fand eine kleine Landschildkröte und ging gleich daran sie zu untersuchen. Im gleichen Moment zog sich die Schildkröte in ihren Panzer zurück und der Junge versuchte vergebens sie mit einem Stöckchen herauszuholen. Der Großvater hatte ihm zugesehen und hinderte ihn daran, das Tier weiter zu quälen.
 
"Das ist falsch", sagte er, "komm' ich zeig' dir wie man das macht."
 
Er nahm die Schildkröte mit ins Haus und setzte sie auf den warmen Kachelofen. In wenigen Minuten wurde das Tier warm, steckte seinen Kopf und seine Füße heraus und kroch auf den Jungen zu.
 
"Menschen sind manchmal wie Schildkröten", sagte der Mann. "Versuche niemals jemanden zu zwingen. Wärme ihn nur mit etwas Güte auf und er wird seinen Panzer verlassen können."
 
Wir konnten leider keinen Urheber/Verfasser/Autor finden.
hak40
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Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten

Beitrag von hak40 »

Hoffnungsschimmer
Einige Jahre lang haben wir an dieser Stelle Adventskalender veröffentlicht mit Texten, die Mut machen sollten. In diesem Jahr möchten wir gerne etwas Anderes machen.
Für viele von euch ist diese Zeit eine ganz besonders schmerzhafte: der liebste Mensch ist nicht mehr da. Die Adventszeit ist nicht mehr eine freudige Zeit des Wartens, eine Zeit der Weihnachtsmärkte und Weihnachtsvorbereitungen, sondern eine dunkle, beängstigende Zeit.
Am Ende des Tages blicken wir zurück und sehen nur Plage und Mühe, Kummer und Verzweiflung. In dieser tiefen Traurigkeit ist es schwer, einen Lichtblick zu erkennen.
Aber es gibt ihn, jeden Tag. Wenn wir bewusst darauf achten, fallen uns die vielen kleinen guten Erlebnisse auf, die uns jeden Tag begegnen. Anfangs fällt es uns schwer, sie zu finden, aber wenn wir unseren Blick gezielt darauf richten, sehen wir sie. Erst einen, dann noch einen…und schließlich vielleicht ganz viele. Dann blitzt mitten in der Traurigkeit ein kleiner Hoffnungsschimmer auf: es könnte vielleicht doch noch etwas zu bieten haben, das Leben.
Hoffnungsschimmer, Gedanken, Geschichten
So wollen wir diese Rubrik nennen, in der wir euch von den kleinen guten Erlebnissen berichten, die der Tag bereitgehalten hat. Drei pro Tag - die finden sich bestimmt. Als Ermutigung für euch, in eurem Tag nachzuforschen: was war ein Lichtblick heute?
Wir eröffnen diese Rubrik zwar im Advent, aber anders als die Texte der Adventskalender wird sie laufend fortgeführt. Wer mag, berichtet uns und allen Mitlesenden von seinen drei Erlebnissen.
Vielleicht sind es ja auch fünf oder vier oder einer.

Ellen
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