Die Päckchen der Menschen

Antworten
ellimic
Beiträge: 246
Registriert: So 16. Aug 2015, 09:11

Die Päckchen der Menschen

Beitrag von ellimic » Sa 11. Jul 2020, 13:18

von ellimic » Sonntag 7. Mai 2017, 08:52
„Jemanden, auf den ich neidisch bin, meide ich“, erklärt ein (verheirateter) Bekanner. Das kann man natürlich machen, um sein inneres Gleichgewicht zu schützen. Der Anblick von Paaren und „kompletten“ Familien kann so unglücklich und neidisch machen, dass es sich lohnen kann, mal ein Fest sausen zu lassen oder einen Sonntagsspaziergang im sonnigen Park nicht zu machen.
Aber ist das eine Strategie auf Dauer? Ich kann mich doch nicht zu Hause vergraben, nur weil ich „da draußen“ vielen anderen Menschen begegnen könnte, die genau das haben, was ich vermisse? Und weil ich dann sehr neidisch werde? Und was ist, wenn die Person, auf die ich neidisch bin, eine sehr nette ist? Dann würde ich mir durch meinen Neid möglicherweise die Chance verbauen, eine Freundschaft aufzubauen bzw. zu pflegen. Dabei brauchen wir gerade jetzt Freundschaften so dringend!

Eine Strategie von mir, den Neid im Zaum zu halten ist der Gedanke, dass jede/r sein bzw. ihr Päckchen zu tragen hat. Sicher, sie leben in glücklichen (zumindest denken wir das) Beziehungen – aber da sind die Sorgen ums Kind, die Geldsorgen, die Pflege des alten Vaters, die gesundheitlichen Beschwerden, die Arbeit, die so unglücklich macht, die Unfähigkeit, das, was man hat, genießen zu können, ein Traum, der auf der Strecke geblieben ist...lauter Päckchen, die jedem unserer Mitmenschen in irgendeiner Form auf den Rücken gebunden sind.

„Ich würde jedes einzelne nehmen, wenn dafür nur mein liebster Mensch wieder bei mir wäre“, sagt ihr jetzt vielleicht aus dem Gefühl des Kummers und der Einsamkeit heraus.
Aber ist das wirklich so?
Darüber nachzudenken könnte vielleicht an diesem schon wieder regnerischen Sonntag interessant sein. Macht es euch schön!

Ellen

Antworten